Warum es nicht egal ist woher unser Strom kommt

Spätestens seit Fukushima sollte uns klar sein, welche Auswirkungen es haben kann sich für eine bestimmte Art von Stromerzeugung zu entscheiden. Es kommt entscheidend darauf an, woher unser Strom kommt, und wie er entsteht. Strom ist unser unsichtbarer Helfer. Er ist immer da: Er sorgt für Licht und dafür, dass die Waschmaschine läuft, wir können mit ihm kochen und unsere Laptops und Handys laden. Strom kann uns sogar von einem Ort zum anderen transportieren. Dennoch muss ich zugeben, wusste ich wenig über das komplexe Thema Strom.

Ich wollte diesen Blog schreiben um das Thema Strom und die damit verbunden Problematiken etwas greifbarer zu machen. Ich hoffe mit diesem Beitrag gelingt es mir den Einstieg in das Thema Strom leichter zu machen und einen informativen Überblick über die verschiedenen Produktionsweisen und Auswirkungen zu schaffen.

Der grobe Überblick – Wie entsteht Strom eigentlich?

Strom kann mit sehr unterschiedlichen Systemen erzeugt werden. Fast alle Systeme, auch Atomstrom, folgen hierbei demselben Grundprinzip: mechanische Energie wird in elektrische Energie umgewandelt. Oder anders: Bewegungsenergie wird in Strom umgewandelt. (Photovoltaik bildet eine Ausnahme.)

Der Energieträger, also die Energiequelle, macht den entscheidenden Unterschied, besonders wenn es um die Klimaauswirkungen, bzw. Umweltfolgen geht. Fossile Energieträger, Atomkraft und erneuerbare Energieträger unterscheiden sich vor allem in der Menge der Treibhausgase, sowie andere Schadstoffe und sind daher unterschiedlich schädlich für Mensch, Tier und Umwelt. Warum es diese Unterschiede gibt und welche Auswirkungen sie haben erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Der Dinosaurier unter den Energieträgern – fossile Energie

Das Bundesumweltamt¹ definiert fossile Energieträger als “aus Biomasse entstandene Stoffe, die unter Luftabschluss von der Atmosphäre nicht verrotteten und so ihre chemische Energie erhielten”. Die wichtigsten Vertreter sind Kohle, Erdgas und Erdöl. Sie werden in der Regel abgebaut, bzw. gefördert und haben schon alleine deshalb mehr oder weniger große Auswirkungen auf unsere Umwelt. Vor allem der Abbau von Kohle hinterlässt eindeutige Spuren. Das Bild zeigt einen Tagebau von Braunkohle in Nochten, Deutschland.

Kohleabbau in Deutschland

Braunkohleabbau im Tagebau Nochten in Deutschland. (Foto: SPBer, wikimedia commons, CC BY-SA 3.0)

Anschließend werden die so gewonnen Brennstoffe in einem Kraftwerk thermisch verwertet. Kohle, Erdgas oder Erdöl werden also verbrannt und mit der entstehenden Hitze Wasser verdampft. Der Wasserdampf treibt eine Turbine an. Der Generator wandelt anschließend die Bewegungsenergie der Turbine in elektrische Energie um. So entsteht der Strom. Das Prinzip der Stromerzeugung ist für Kohle, Erdgas und Erdöl das Gleiche. Sie unterscheiden sich allerdings im Preis und in ihren Umweltauswirkungen.

Die Umweltauswirkungen – Beispiel Kohle

Kohle beispielsweise kann sehr günstig und einfach abgebaut werden. Zudem sind die Transportwege kurz, da Kohle in Europa abgebaut werden kann. Der Abbau von Braunkohle benötigt riesige Flächen Land, und zerstört so Lebensraum für Mensch und Tier. Im Jahr 2002 wurden in Österreich noch 1,4 Mio Tonnen Kohle gefördert. 2005 wurde der Abbau von Braunkohle in Österreich eingestellt. Kohlekraftwerk hat Österreich dennoch, 2015 waren noch 3 Kohlekraftwerke in Betrieb.

Braunkohle enthält viel Schwefel und Kohlenstoff, weshalb die Verbrennung nicht sehr sauber erfolgt und große Mengen Kohlenstoffdioxid entstehen. Kohle ist europaweit einer der bedeutendsten Verursacher von Treibhausgasen. 2014 verursachte Kohle 18% der gesamten europäischen Treibhausgase. Dies ist nur eine kleine Auswahl an Vor- und Nachteilen die die Stromerzeugung mithilfe von Kohle mit sich bringt. Sie zeigen aber: Kohlestrom…

  • ist günstig in seiner Erzeugung und teuer in den Folgen
  • zerstört Land und damit Lebensraum
  • verursacht eine Vielzahl an Klima- und Gesundheitsschäden

 

Ein weiterer Nachteil fossile Energie ist, dass sie endlich ist, also begrenzt. Das hat zur Folge, dass die Erschließung neuer Reserven immer teurer wird, und daher auch die Preise für die KonsumentInnen steigen. Zudem entsteht bei der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas klimaschädliches Kohlenstoffdioxid und zusätzliche Schadstoffe, wie zum Beispiel Stickoxide und Feinstaub. Diese Schadstoffe belasten allerdings nicht nur unsere Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit.

Umso mehr fossile Energieträger wir zur Stromproduktion einsetzen, umso mehr CO2 produzieren wir, und umso stärker beschleunigen wir den Klimawandel. Darauf zu achten welche Energieträger bei der Produktion des eigenen Stroms verwendet werden bedeutet also auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Auf einer Website habe ich passend dazu gelesen “Auch wenn fossile Energieträger wahrscheinlich nur zu einem geringen Teil aus toten Dinosauriern bestehen, so sind sie doch genauso dem sicheren Untergang geweiht.”

Atomstrom – (k)eine Alternative!

441 Kernkraftwerke gibt es weltweit. 129 davon stehen in Europa. Rund die Hälfte der europäischen Mitgliedsstaaten verfügen über Atomkraftwerke. Darunter auch die Länder die an Österreich grenzen. Wenn du dir ein genaues Bild von den Kernkraftwerken in Europa und speziell auch um Österreich machen willst empfehle ich dir die interaktive Karte von Global 2000.

Wie funktioniert Atomstrom?

Atomkraftwerke nutzen die Energie der Kernspaltung (in den meisten Fällen von Uran) um Wasser zu verdampfen. Der Wasserdampf treibt anschließend eine Turbine an, diese wiederum einen Generator, welcher dann die elektrische Energie produziert. Das Prinzip ist also dasselbe, wie bei Strom aus Kohle oder Erdöl. Der Prozess ist sehr effizient, was den Strom sehr günstig macht. Atomstrom produziert desweiteren kaum Kohlenstoffdioxid (CO2), weshalb er lange als saubere Energieform galt.

Vergleicht man nur den CO2-Ausstoß der Stromgewinnung aus fossilen Brennstoffen und der Atomkraft erscheint Atomkraft als fast CO2-neutral. Planet Wissen schrieb dazu passen: “Während ein Braunkohlekraftwerk pro erzeugter Kilowattstunde Strom 1,040 Kilogramm des Treibhausgases CO2 ausstößt, ist der Wert bei Atomkraftwerken mit 25 bis 50 Gramm vergleichsweise gering. “

Mit dem entstehenden radioaktiven Abfall schaffen wir allerdings ein Problem mit dem wir uns noch tausende Generationen lang werden beschäftigen müssen. Was bei einem Super-GAU passiert ist uns seit Tschernobyl und Fukushima schmerzlich bewusst. Passiert nicht gerade ein Super-GAU hören und sehen wir wenig von Atomkraft. Dabei sollte uns bewusst sein, dass es laufend zu Störfällen kommt, auch wenn diese nicht schwerwiegend sind. Die Illusion von Atomkraft als sichere Energiequelle lässt sich kaum mehr aufrechterhalten. Auch wenn wir in Österreich in der glücklichen Lage sind kein Atomkraftwerk in Betrieb zu haben empfinde ich es als wichtig sich den Gefahren von Atomkraft bewusst zu sein.

Erneuerbare Energien

Das Umweltbundesamt definiert erneuerbare Energien als “Energieträger/-quellen, die sich ständig erneuern bzw. nachwachsen […] Bei einer nachhaltigen Nutzung der nachwachsenden Ressourcen dürfen die Verbrauchsrate die Erneuerungsrate nicht übersteigen”. Das bedeutet ganz einfach, dass diese Energien beinahe endlos zur Verfügung stehen. Zurecht gelten sie daher als Energien der Zukunft.

Zu den erneuerbaren Energien zählen:

  • Sonnenenergie (z.B. Photovoltaik und Solarthermie)
  • Windenergie
  • Wasserkraft
  • Gezeitenenergie
  • Biomasse (z.B. Holz, Gülle und Pflanzenteile)
  • Erdwärme (Geothermie)

Erneuerbare Energien ermöglichen es uns ressourcenschonend Energie zu produzieren, und damit nicht nur unsere Versorgung mit Strom zu sichern, sondern auch CO2 einzusparen. Strom der aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird, wird auch als Ökostrom bezeichnet. Allerdings gibt es auch an einigen erneuerbaren Energien berechtigte Kritik. Vor allem Wasserkraft und Biomasse werden aus unterschiedlichen Gründen kritisiert.

Die Umweltauswirkungen – Beispiel Wasserkraft

Wasserkraftwerke wandeln die Bewegungsenergie des Wassers in Strom um. Ganz einfach gesagt: Wasser fließt immer nach unten und genau das nutzen Wasserkraftwerke.

Wasserkraftwerke können allerdings sehr unterschiedlich aussehen. Von Kleinwasserkraftwerken bis zu Grosswasserkraftwerken gibt es eine erstaunliche Bandbreite an unterschiedlichen Bauweisen, die auch unterschiedliche Auswirkungen auf das Ökosystem Fluss haben. Für alle Wasserkraftwerke lässt sich aber sagen: Sie greifen erheblich in das Ökosystem Fluss ein und können dieses erheblich stören.

Beispielsweise die Veränderung des Flusslaufes durch Stauung des Wassers. In österreichischen Flüssen befindet sich durchschnittlich alle 600 Meter eine Barriere, verursacht durch Wasserkraftwerke. Wenn man sich vorstellt auf dem Weg in die Arbeit alle 600 Meter über eine Mauer klettern zu müssen, kann man sich ungefähr vorstellen, wie es einem Fisch auf dem Weg zu seinem Laichplatz gehen muss.

Die Umweltauswirkungen von Wasserkraftwerken ließe sich auch hier beliebig erweitern, allerdings möchte ich hier lieber zum Punkt kommen. Der Bau neuer Wasserkraftwerke geht auf Kosten der Umwelt! UmweltschützerInnen sprechen sich daher gegen den Neubau von Wasserkraftwerken aus und fordern eine Modernisierung der bestehenden Kraftwerke (Leistungssteigerungen von rund 20% pro Anlage werden als realistisch betrachtet.)

Gerade einmal 14% aller österreichischen Flüsse sind noch ökologisch intakt. Dies verhindert allerdings nicht, dass auch in diesen Flüssen der Bau weiterer Kraftwerke geplant ist. Jedes weitere Kraftwerk zerstört damit die letzten natürlichen Flüsse Österreichs. Österreich hat bereits 70 % der Ausbaurate von Wasserkraftwerken erreicht. Wer die Schönheit Österreichs Flüsse zu schätzen weiß sollte sich überlegen, wie er oder sie zu Wasserkraft steht.

Wenn man das alles nun weiß stellt sich noch eine letzte Frage…

Was kann ich tun?

Mir ist bewusst, dass die Problematik rund um die Stromerzeugung enorm wirkt. Dabei gibt es tatsächlich etwas, dass jede und jeder von uns ganz einfach mit ein paar Mausklicks tun kann: Anbieter wechseln!

Überprüfe deinen Anbieter und sieh dir an, wie sich der Energiemix zusammensetzt. Versteckt sich fossile Energie in deinem Strommix? Dann ist es Zeit zu wechseln. Über durchblicker oder dem Tarifkalkulator der e-control kannst du nicht nur die Preise, sondern auch die Energiequellen vergleichen. Österreichische Stromanbieter setzen zwar mehrheitlich auf erneuerbare Energieträger, aber einige Stromanbieter tanzen hier doch aus der Reihe. So vertreiben Wien Energie, EVN, Energie AG, MyElectric und Vitalis einen Mix aus erneuerbarer und fossiler Energie.

Zu einem Ökostromanbieter zu wechseln ist in den meisten Fällen eine win-win-situation. Man kann seine Umweltauswirkungen senken und dabei auch noch Geld sparen. Das Vorurteil Ökostom sei teurer als “Normalstrom” trifft schon seit einiger Zeit nicht mehr zu. Am besten überzeugst du dich selbst und machst gleich den Vergleich auf durchblicker oder bei der e-control.

Der feine Unterschied

Auch bei den Ökostromanbietern gibt es Unterschiede. Achte darauf, dass der Energiemix nicht nur Wasserkraft, sondern auch Strom aus anderen erneuerbaren Energiequellen enthält. Zudem kannst du dir ansehen, welche Anbieter mit dem österreichischen Umweltzeichen oder Global 2000 geehrt wurden und somit besonders umweltfreundlich agieren. Wer auf diese beiden Siegel achtet ist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

Wenn du bei dem Stromanbieter wirklich alles richtig machen willst, dann wechsel zu AAE Naturstrom oder ökostrom AG. Laut einer Studie von Greenpeace, die von 2010 bis 2015 lief sind diese beiden Anbieter die Marktführer, wenn es um saubere, faire und innovative Energie in Österreich geht. Das lässt sich auch an ihren Auszeichnungen erkennen. Beide Unternehmen haben sowohl das österreichische Umweltzeichen bekommen, als auch die Empfehlung von Global 2000. In jedem Fall eine gute Wahl.

 

In diesem Sinne möchte ich mir einem bekannten Zitat von Albert Schweitzer enden:

“Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.”

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und besucht uns regelmäßig in unserem Blog.

 

Auf bald,

Dana Schwarzmann

 

Quellen:

1 Bundesumweltamt – Fossile Energie, http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/energie/energietraeger/fossileenergie/

2 Austria-Forum – Kohle, http://austria-forum.org/af/AEIOU/Kohle

3 Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft – Energiestatus Österreich 2015, http://www.bmwfw.gv.at/EnergieUndBergbau/Energieeffizienz/Documents/Energiestatus%20%C3%96sterreich%202015.pdf

4 Greenpeace – End Of An Era, https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/end-of-era-coal-phase-out-plan-20151204.pdf

5 naturstrom – Fossile Energieträger, https://www.umweltfreundlicher-strom.de/konventioneller-strom/fossile.html

6 Kernenergie – Kraftwerke weltweit, https://www.umweltfreundlicher-strom.de/konventioneller-strom/fossile.html

7 planet wissen – Grundlagen der Atomkraft, http://www.planet-wissen.de/technik/atomkraft/grundlagen_der_atomkraft/index.html

8 Wikipedia – Liste von Störfällen in europäischen kerntechnischen Anlagen, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_St%C3%B6rf%C3%A4llen_in_europ%C3%A4ischen_kerntechnischen_Anlagen

9 Umweltbundesamt – Energie der Zukunft, http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/energie/energietraeger/erneuerbareenergie/

10 WWF – Österreichs Flüsse sind in Gefahr, http://wwf.at/fluesse/

11 Umweltzeichen -Kurzfassung zur Österreichischen Umweltzeichenrichtlinie, https://www.umweltzeichen.at/richtlinien/Uz46_K4.0a_Gr%C3%BCner_Strom_Kurzfassung_2013.pdf

12 Global 2000 – Der Strom-Filz in Österreich, https://www.global2000.at/der-strom-filz-%C3%B6sterreich